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Das Youngtimer-Netzwerk der Schweiz

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Das Youngtimer-Netzwerk der Schweiz

10 Jahre Youngtimer-Connection | Ein Interview mit Martin Rudolf

Die Youngtimer-Connection feiert ihr 10-jähriges Jubiläum. Eine gute Gelegenheit, um auf bisherige Erfolge und Erlebnisse zurückzublicken.
Aus diesem Anlass haben wir mit Martin Rudolf, dem Mitgründer der Youngtimer-Connection, ein Interview geführt:
Martin Rudolf

Erinnern wir uns an den Dezember 2005 zurück: Wie entstand die Idee, eine freie Vereinigung/Organisation für Youngtimer-Besitzer zu gründen?

Nachdem ich mit dem NSU Ro80 immer auf dem Besucherparkplatz bei Oldtimerveranstaltungen landete wollte ich quasi eine „Selbsthilfegruppe“ für Gleichgesinnte resp. Betroffene gründen. Zusammen mit Christoph Rauch lancierten wir also die YC und schnell fanden sich einige Mitstreiter welche z.T. auch heute noch an den Veranstaltungen anzutreffen sind.

Welches war für Dich das persönliche Highlight während Deiner Zeit im Vorstand der Youngtimer-Connection?
Jede Ausfahrt war ein Highlight, insbesondere weil die Teilnehmerzahlen und die Vielfalt der Autos ständig zunahm. Auch die Strategie, die Ausfahrtsorganisation den Teilnehmern resp. freiwilligen zu übergeben hat sehr gut funktioniert. Und das alles ohne eine „richtige“ Vereinsorganisation notabene. Es war ja das Grundkonzept eben keine Vereinsstruktur zu haben, sondern einfach Treffen und Ausfahrten zu organisieren und das klappt, aber nur dank allen Teilnehmern und Organisatoren. Hierfür ein herzliches Dankeschön.

Wie hast Du eigentlich zu Deinem Hobby ‚Youngtimer‘ gefunden?
Nun ja, mittlerweile sind es ja eher Oldtimer…
Ich bin vorallem bei den Fahrzeugen der 70er Jahre hängengeblieben. Angefangen hat das Ganze mit einem 2CV während dem Studium. Man brauchte halt einen günstigen fahrbahren Untersatz. Das war um das Jahr 2000 rum. Damals gab es noch günstige Enten.
Ich konnte dann den BMW 520 e28 meines Vaters übernehmen, mein erster Youngtimer quasi. Tja, und mit neuen Autos konnte ich nie etwas anfangen, damals nicht und heute ebenfalls.

Welche Fahrzeuge sind in Deinem Fuhrpark anzutreffen?
NSU Ro80 1969 und 1972
Citroen ID19 B 1971
Citroen GS Birotor 1974
MG B GT 1976
Jensen-Healey V6 1973
Jensen Interceptor MkIII 1973
Land Rover Defender 110 Td5 (s’Budevelo…)

Welches davon fasziniert Dich am meisten und aus welchen Gründen?
Meine Leidenschaft liegt vorallem in den Fahrzeugen welche entweder als kompliziert oder unzuverlässig gelten, oder sonst wie unbeliebt sind.
Die Wankel sind absolut zuverlässig, die Hydraulik der Franzosen ist dicht, die Engländer haben mich noch nie stehen gelassen und der MG B GT mit den Gummistossstangen ist bei weitem nicht so schlecht wie gemeinhin angenommen.

Seit geraumer Zeit führst Du Deine eigene Werkstatt für klassische Fahrzeuge, die MADMotors GmbH. Hast Du damit Dein Hobby zum Beruf gemacht, bzw. war das bereits seit Jahren immer ein persönlicher Traum?
Naja, MADmotors gibt es seit Mitte 2013, ich bin also noch am Anfang. Der Grund für die Gründung war eine grosse Unzufriedenheit in meinem bisherigen Job. Also habe ich den Schritt gewagt mein Hobby im Beruf auszuleben.

Wie hat sich seither Dein Alltag verändert?
Die Führung eines Unternehmens bietet eine grosse Abwechslung. Natürlich schraube ich sehr viel, aber ein fast gleich grosser Teil geht in Administrationstätigkeiten. Buchhaltung, Offerten, Rechnungen, Bestellungen, Kapazitätsplanung, Projektmanagement, Finanzplanung, Behördengänge (U-Nummer, eine Story für sich….) Kundenbetreuung.
Kurz zusammengefasst: Ich habe noch nie so viel gearbeitet, war aber auch noch nie so zufrieden in meinem Job.

Ende 2012 bist Du nach sieben Jahren von Deinem Vostandsamt bei der Youngtimer-Connection zurückgetreten. Wie bist Du heute in der Youngtimer-Szene unterwegs?
Ich wollte die YC in neue Hände geben, um etwas neuen Schwung reinzubringen. Zudem habe ich noch 2 weitere Vorstandsmandate in Oldtimer Clubs. Eine Familie mit 2 Kindern, und irgendwann sollte ich ja noch meinen Fuhrpark pflegen.
Da mittlerweile alle 70er Jahre Autos definitiv in der Oldtimerszene angekommen sind bin ich gemäss Definition nicht mehr in der Youngtimer Szene unterwegs.
Ich habe mir aber fest vorgenommen in Zukunft wieder vermehrt YC Anlässe zu besuchen. Keep fingers crossed…

Die Youngtimer-Connection hattest Du vor zehn Jahren gemäss Aussagen aus früheren Interviews ins Leben gerufen, um dem Manko an Vereinigungen für Besitzer von Youngtimern entgegenzuwirken.
Wie hat sich die Youngtimer-Szene, insbesondere in der Schweiz, seitdem verändert?

Also, die einzige Youngtimer-Szene, welche ich kenne, ist die YC. Und diese könnt ihr mittlerweile besser einschätzen als ich. Was ich aber von Anfang an festgestellt habe, und dies trifft auch heute noch zu, ist die Tatsache, dass die Youngtimer-Fahrer in der Schweiz sehr grossen Wert auf die Originalität, die Geschichte und den guten Zustand der Fahrzeuge legen. Dies sind meiner Meinung nach Faktoren, welche bei unseren Nachbarn nicht unbedingt zutreffen. Es ist halt alles ein bisschen schweizerischer und deshalb hat sich auch nie ein richtiger „Hype“ ergeben. Zum Glück für uns, die Autos und die Preisentwicklung.

Viele Menschen sind der Meinung, dass moderne Fahrzeuge aus diversen Gründen, u.a. wegen ihrer umfangreichen Fahrzeugelektronik, nie zu Klassikern reifen werden.
Ähnliches hatten viele Skeptiker vor einigen Jahren noch über Fahrzeuge aus den 70ern und 80ern gesagt, die mittlerweile als Inbegriff des Youngtimers gelten.
Wie wird sich Deiner Meinung nach die Oldtimer- und Youngtimerszene in Zukunft entwickeln?

Jedes Auto wird ein Oldtimer, wenn es denn nach dem Leasing noch genug lange „lebt“. Die zentrale Frage ist nur in welchem Zustand. Betriebsfähig? Wenn ja mit welchen Ersatzteilen? Wird es Spezialisten geben welche die Elektronikkomponenten reparieren können? Wird es Teilenachfertigungen z.B. für Fahrwerkskomponenten geben? Für welche Fahrzeuge?
Dies ist ein Blick in die Kristallkugel, ich werde es beobachten. Eine Prognose hierfür kann und will ich nicht abgeben.

Welche ‚modernen‘ Autos werden Deiner Meinung nach zu gefragten Klassikern reifen und weshalb?
Ha, die Gralsfrage. Immer wieder gerne diskutiert.
Ich führe hier gerne Fahrzeuge ins Feld, welche etwas besonderes an sich haben. Sie es Design, Technik, Geschichte oder ähnliches. Wobei es vielleicht auch Leute geben wird welche einen VW Golf VII aufbewahren.
Hier meine persönliche Hitliste:
– Renault Avantime (Design, letzes bei Matra gebautes Fahrzeug)
– Renault Vel Satis (Ein Flop, aber ein tolles Fahrzeug)
– Citroen XM (Design)
– Citroen Xantia Activa (Das Beste Aktivfahrwerk, kennt einfach niemand)
– C6 (Design, der letzte sonderbare Citroen, oder doch nicht?)
– Jaguar X300/ 308 (britische Eleganz)
– Land Rover Defender (weils ihn jetzt nicht mehr gibt…)
– BMW X6 (Das unnötigste Auto das es jemals gab)
– Citroen Cactus (Die fahrende Gummizelle)

Vielen Dank für das Interview, Martin.