20 Jahre Youngtimer Connection
An einem Abend im Dezember 2005 wurde die Youngtimer-Connection von Martin Rudolf und Christoph Rauch gegründet. Ein Rückblick auf die Geschichte sowie ein Blick in die Zukunft der Youngtimer-Connection.
Fahren auf der „Memory Lane“: Erinnerungen an die Anfangszeit
Auch wenn es vielleicht gefühlt noch gar nicht so langer her ist: Vor 20 Jahren war einiges anders als heute. Smartphones existierten noch nicht, soziale Medien lebten noch ein Schattendasein, und in diesem Jahr frischgewordene Youngtimer waren damals Neuwagen. Während heute ein 40 Jahre altes Auto mit einer Selbstverständlichkeit auf den Platz eines Oldtimertreffens gelassen wird, war beim gleichen Auto vor 20 Jahren Jahren noch gar nicht klar, inwiefern überhaupt ein dermassen „modernes“ Auto jemals zum Klassiker reifen würden. Diese Fragestellung war damals wie heute ein Thema, und weil damalige Youngtimer bei Klassiker-Events nicht selten ausgeschlossen wurden, wurde die Youngtimer-Connection ins Leben gerufen. Es war von Anfang an klar, dass man die Strukturen im Vergleich zu etablierten Oldtimerclubs möglichst einfach halten wollte: eine markenoffene Organisation ohne Vereinsmeierei, zwecks Austausch unter Gleichgesinnten, mit unkomplizierten und kostengünstige Ausfahrten mit Picknicks, und die Kommunikation ausschliesslich übers Internet via Webseite und Newsletter – wenig später kamen ein Forum auf der Webseite und im Jahre 2013 eine Präsenz auf Facebook, dazu.
In den ersten Jahren war die YC noch mit einem Stand an Oldtimermessen, unter anderem am OTM Zürich, präsent. Presseartikel im Sonntagsblick und in der TCS touring-Zeitung förderten den Bekanntheitsgrad und verhalfen der YC zu mehr Zulauf. Mittlerweile hat sich auch so etwas wie ein harter Kern gebildet – Leute, die schon seit Jahren regelmässig dabei sind, obschon die YC als Club-ähnliche Organisation keine Mitglieder hat. Wer an einer Ausfahrt einmal Teilnehmer ist, kann auch mal Organisator sein – dieses Engagement einzelner Personen hat die Youngtimer-Connection zu dem gemacht, was sie heute ist. Auch nach der Übergabe der YC an mich im Jahre 2013, wurde stets Wert auf die Beibehaltung der ursprünglichen Ideen und Werte gelegt.
Fahrspass pur: Die Youngtimer-Ausfahrten
Die erste Youngtimer-Ausfahrt fand am 9. April 2006 zusammen mit dem Youngtimer Car Club aus Österreich statt. Mit insgesamt acht Youngtimern (davon zwei aus der Schweiz) war die Gruppe noch überschaubar. Bereits etwas umfangreicher wurde es im Juni 2006 mit Frank’s Ausfahrt. Es war der Beginn einer der Hauptaktivitäten der Youngtimer-Connection: gemeinsame Ausfahrten mit unseren Youngtimern. Traditionen wie das „Haubentauchen“ und der Kaffee aus dem Kofferraum sind auch noch heute an unseren Anlässen zu erleben. 😉 Während in den ersten Jahren in der Regel zwischen zwei bis fünf Ausfahrten pro Jahr stattfanden, stieg die Anzahl Ausfahrten ab 2013 auf durchschnittlich sechs, und ab 2019 auf durchschnittlich zehn Ausfahrten pro Jahr. Selbst in den Jahren 2020 und 2021 konnte trotz Restriktionen mit sieben, bzw. sechs Ausfahrten pro Jahr ein Jahresprogramm aufrechterhalten werden. Unvergesslich bleiben auch die Hardcore-Pässefahrten, die um 4 Uhr morgens begannen und die, wie diejenige anno 2012, 10 Stunden und nahezu 18 Pässe später zu Ende waren. Eine mehrtägige Ausfahrt gab es nur einmal in der Geschichte der YC: Im September 2007 fand ein YC-Wochenende im Tessin statt. Bis dato können wir nach 20 Jahren auf 127 Ausfahrten zurückblicken. Diese fanden in der gesamten Schweiz sowie im angrenzenden Ausland statt. Schätzungsweise wurden dabei rund 15’000 km zurückgelegt.
Liebe geht durch den Wagen: Benzingespräche mit Abendessen am YC-Stammtisch
Neben den beliebten Ausfahrten findet bereits seit der Gründung der YC der Youngtimer-Stammtisch, ein monatlicher Höck, statt. Dieser ging ursprünglich aus dem „Mercedes Benz-Stammtisch“ in Langenthal hervor, der bereits vor der Gründung der YC existierte. Aufgrund von Connections gesellten sich immer mehr Teilnehmer dazu, darunter auch Fahrer anderer Marken. Allmählich wuchs auch hier der Teilnehmerkreis, und auch Teilnehmer mit einer etwas weiteren Anreise fuhren monatlich nach Langenthal, um an den interessanten Benzingesprächen mit Abendessen teilzunehmen. Nach Schliessung des Restaurants in Langenthal, fand der seit Jahren von Stefan Kellenberger organisierte YC-Stammtisch über drei Jahre in Roggwil/BE und kurzzeitig in St. Urban/LU statt, bevor er 2021 zur aktuellen Stammbeiz in Wynau/BE wechselte.
Zeitweise fand ein YC-Stammtisch auch in der Region Winterthur, unter anderem in Pfungen, statt. 2017 rief Marcel Maier den monatlich stattfindenden Höck für die Region Ostschweiz ins Leben; zunächst in Hettlingen, später in Brütten. Ab 2019 übernahm Patrick Hugentobler das Zepter und organisierte den Anlass zunächst in Nürensdorf, später in Seuzach und Humlikon, und aktuell wieder in Seuzach. Ab 2018 öffnete Marcel’s Fahrzeugliteraturarchiv Bettelbrünneli Collection am neuen Ort in Aadorf und lädt seither zu Archivtagen und -abenden ein.

Im Dezember 2016 fand zum ersten Mal eine Winterausfahrt statt. Obwohl am Anfang eher aus Jux entstanden, um die Zeit ausserhalb der Saison zu überbrücken und keine Youngtimer-Entzugserscheinungen zu bekommen (der YC-Stammtisch fand damals nur von März bis Ende Oktober statt), wurde der Anlass aufgrund grosser Beliebtheit jährlich wiederholt. Mit teilweise über 30 Autos und 40 Teilnehmer an einer Ausfahrt, wurde die Winterausfahrt zusammen mit der traditionellen jährlichen Saisoneröffnungsfahrt von Marc Rudin zu einer der beliebtesten Ausfahrten im Programm der YC. Ebenfalls Tradition hat der Chlaushöck, bzw. Neujahrshöck, der als Werkstatthöck im Dezember 2013 zum ersten Mal stattfand.
2018 wurde die Youngtimer-Connection im Rahmen der Swiss Classic Awards mit dem „Rookie Award“ ausgezeichnet. Die YC bringt Interessierten das Thema „Oldtimer und Youngtimer“ näher und ermöglicht einen unkomplizierten Einstieg in die Szene. Auf diese Weise leistet die YC ihren Beitrag zum Erhalt der heutigen und auch künftigen Klassikerszene.
Die aktuell kalten Wintertage laden dazu ein, einen Blick in unsere Fotogalerie zu werfen. Hier und da sieht man Leute, die bereits seit Jahren regelmässig dabei sind oder Veranstaltungen organisieren. Neben bekannten Gesichtern erkennt man hier und da bekannte Youngtimer, die teilweise nie ihren Besitzer gewechselt haben und in der Zwischenzeit zum Oldtimer gereift sind.
Forever Young(timer): Wohin geht die Reise?
Was die YC seit Beginn auszeichnete, sind neben den Veranstaltungen und Teilnehmern natürlich auch deren Autos. Schaut man sich an einem YC-Anlass die Teilnehmerfahrzeuge an, fällt auf, dass sich im Allgemeinen die Fahrzeuge in einem neuwertigen und meist originalen Zustand befinden. Auch auffallend, und darauf darf man stolz sein: Es sind viele „Brot-und-Butter“-Autos dabei, also Familienkutschen, Kleinwagen, sogar leichte Nutzfahrzeuge, die einst das Strassenbild massgebend prägten. Unter den Teilnehmerfahrzeugen fand über die Jahre eine Verjüngung statt; es rückten an Veranstaltungen immer wieder frisch gewordene Youngtimer nach. Das durchschnittliche Fahrzeugalter liegt auf diese Weise in der Regel permanent irgendwo zwischen 20 und 30 Jahren, tendenziell eher bei knapp 30 Jahren. Und diejenigen Autos, die inzwischen zum Oldtimer gereift sind, sind nach wie vor dabei und in unseren Köpfen weiterhin Youngtimer – sozusagen „Forever Young(timer)“.
Eine Beobachtung, die an Ausfahrten gemacht werden kann: Während ein heutiger Youngtimer, im Vergleich zu seinen mit Chromstosstangen bestückten farbenfrohen Vorfahren, einzeln eher weniger zu Blicken von Passanten führt, sorgt er im Konvoi mit anderen Youngtimern an einer Ausfahrt dann doch für Aufsehen, und das nicht nur, weil man im Dorf gleich mal das übliche Verkehrsaufkommen eines ganzen Jahres innerhalb von ein paar Sekunden überschritten hat. 😉 Immerhin: es dürfte auch die Tatsache sein, dass am Youngtimer LED-Scheinwerfer fehlen, kaum SUVs in der Gruppe mitfahren und somit auch eine ganz andere Formsprache der Autos erkennbar ist. Doch sieht man, und vor allem der Laie, den Autos ihr Alter von mindestens 20 Jahren deshalb an? Hier könnte wieder die Frage gestellt werden, inwiefern ein solches Auto zum Klassiker reifen wird. Die Fortschritte im automobilen Design der letzten 20 Jahre dürften als weniger umfangreich wahrnehmbar sein; also braucht es vielleicht nochmals 10 Jahre, bis ein heutiger Youngtimer von einer breiten Masse als solcher, oder um genauer zu sein, als sammelwürdiger Klassiker wahrgenommen wird. Möglicherweise sind sich viele einig, dass ein heute 20 Jahre altes Auto zumindest optisch weniger schnell gealtert ist, als ein Auto, das anno 2006 20 Jahre alt war. Was als alt gilt, bleibt eine subjektive Wahrnehmung des einzelnen Betrachters und dürfte auch mit seinem Baujahr, ähm, Jahrgang zusammenhängen. Doch es ist wie vor 20 Jahren einmal mehr dieselbe Fragestellung, die mitunter einst zur Gründung der YC geführt hat. Auch in Zeiten, in denen aufgrund des technologischen und gesellschaftlichen Wandels das Auto nicht mehr überall den gleichen Stellenwert geniesst, ist eines klar: Es gibt auch heute noch Nachwuchs in der Szene – Leute, die einen Youngtimer ihr Eigen nennen, und gerne an Treffen oder Ausfahrten teilnehmen möchten, aber ausgeschlossen werden. Auch 20 Jahre nach ihrer Gründung ist die YC die Organisation für Dich und Deinen Youngtimer.
Wir sind gespannt, wohin die Reise geht und freuen uns auf weitere spannende Jahre mit tollen gemeinsamen Youngtimer-Ausfahrten und Benzingesprächen. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle Organisatoren der verschiedenen Ausfahrten, YC-Stammtisch-Events, und auch an die Teilnehmer, die ebenso die Youngtimer-Connection zu dem gemacht haben, was sie heute ist.
Viele Grüsse
Sven
























































